Gianfranco Malagò: Droht dem FIGC-Präsidenten die Zwangsverwaltung?
Wenige Monate nach seiner Wiederwahl steht Malagò wegen eines Formfehlers bei der Mitgliedschaft vor einem möglichen Kommissariat. UEFA und IOC beobachten den Fall mit Sorge.
Gianfranco Malagò, vor drei Monaten mit fast 70 Prozent der Stimmen zum Präsidenten des italienischen Fußballverbands FIGC gewählt, steht trotzdem vor einer möglichen Zwangsverwaltung. Grund ist ein juristisches Detail: Vom CONI beauftragte Juristen erklärten, das sogenannte "tesseramento" – die Mitgliedschaft im Verband – sei zwingende Voraussetzung für die Kandidatur gewesen. Über den Fall entscheidet nun das CONI selbst.
Malagò äußerte sich gegenüber dem Corriere dello Sport zu den internationalen Reaktionen auf die Affäre.
"Wenn die UEFA und auch das Internationale Olympische Komitee mit Sorge auf das blicken, was in Italien geschieht, dann ist das Signal sehr klar", sagte Malagò.
Von persönlichem Druck will der Verbandspräsident nichts wissen. Zur eigenen Haltung in der Amtsführung sagte er: "Seit ich dieses Amt ausübe, folge ich einem einzigen Leitstern: den Sport und seine Autonomie zu verteidigen, wie es die Olympische Charta vorschreibt. Das ist keine Floskel, sondern der Grund, warum ich diese Arbeit mache – die ich übrigens immer als gewählter Ehrenamtlicher ausgeübt habe."
Bei der Versammlung der European Football Clubs (EFC, vormals ECA) am Montag in Kopenhagen war der Fall Gesprächsthema, unter anderem mit Luca Percassi (Atalanta), Friedkin (Roma), Chiellini (Juventus), Ferrari (Fiorentina), Longo (Genoa) und Baldissoni (Monza). UEFA-Präsident Ceferin ließ durchblicken, dass ihm die Geschichte keinen Sinn ergibt. Ähnlich hatte er sich schon zur staatlichen Kommission über die Vereinsfinanzen geäußert – die am Ende trotzdem zustande kam.
"Italien ist groß und wird auf das höchste Niveau zurückkehren", sagte Villas Boas vom FC Porto am Rande der Versammlung.
Die Nationalmannschaft lieferte zuletzt selbst ein Argument für den Aufbruch: Vier Tore in der Türkei galten als Hoffnungszeichen, während der Verband um seine Führung ringt.
Der Streit um Amtszeitbegrenzungen reicht bis 2018 zurück, als unter der Regierung Gentiloni das Gesetz Lotti erstmals eine Mandatsbeschränkung einführte. Die Auseinandersetzung zog sich über die Regierungen Conte, Draghi und Meloni hin, ohne dass der politische Druck auf die Verbandsautonomie nachließ – ein Beispiel dafür war Sport e Salute, die dem Wirtschafts- und Finanzministerium unterstellte Gesellschaft. Am Ende blieb Malagò damals ohne Verlängerung an der Spitze des CONI.
Kommt es tatsächlich zur Kommissarsführung, träfe das einen Verband, der sich nach der Wahl gerade neu aufstellen wollte. Der Fall Malagò dürfte damit über die FIGC hinaus zum Testfall dafür werden, wie weit staatliche Institutionen in die Autonomie des italienischen Sports eingreifen dürfen.
Über diesen Beitrag
Von der Redaktion mit Hilfe von Algorithmen auf Grundlage der angegebenen Quellen erstellt
Quellen 2
- Caso commissario, Malagò: "Il CIO preoccupato è un segnale molto chiaro" corrieredellosport.it
- Un commissario per arrestare l'Italia che riparte: la guerra a Malagò può mandare all’aria il progetto corrieredellosport.it