KHL will neue Zuschauer von Konzerten abwerben
Präsident Morosow stellt die KHL-Strategie bis 2028/2029 vor: Millionen Russen waren noch nie im Stadion, Konzerte gelten als Hauptkonkurrent um die Freizeit.
KHL-Präsident Alexej Morosow hat die neue Entwicklungsstrategie der Liga bis zum Ende der Saison 2028/2029 vorgestellt. Kernpunkt: die Liga soll neues Publikum von den Konzertveranstaltern abwerben.
Zahlen dazu liefert Morosow selbst. Von 146 Millionen Einwohnern Russlands leben 46 Millionen in Städten mit KHL-Standort, davon zählen 12 Millionen zum aktiven Publikum der Liga. Zehn Millionen Menschen waren demnach noch nie bei einem Eishockeyspiel.
Der Vergleich mit der NBA fällt dabei zu Ungunsten der KHL aus: Die nordamerikanische Basketball-Liga erreicht 19 Prozent der Bevölkerung bei einem Anteil von 0,26 Prozent am Budget der Fans, die KHL kommt auf 8 Prozent Reichweite bei 0,16 Prozent – nahe am NHL-Wert von 0,18 Prozent. Der russische Unterhaltungsmarkt ist laut Morosow innerhalb von drei Jahren von 131 auf 306 Milliarden Rubel gewachsen, der Sport-Anteil am Ticketmarkt liegt bei nur 5 Prozent, fünfmal weniger als in Nordamerika. Als Hauptkonkurrent nennt er den Konzertmarkt, der zuletzt um 54 Prozent zulegte.
Sportminister Michail Degtjarew traf sich mit Morosow und zog Bilanz zur laufenden Strategie. Die aktive Zuschauerzahl der KHL stieg in drei Jahren von 8 auf 12 Millionen. Der Frauenanteil im Publikum wuchs von 19 Prozent (2022) auf 36 Prozent (2026), bei Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren von 4 auf 7 Prozent. Jeder vierte Zuschauer besucht die Spiele mit Kindern. Die durchschnittliche Arenaauslastung liegt bei über 80 Prozent, der beste Wert unter allen russischen Ligen.
Der Anteil der kommerziellen Einnahmen von Liga und Klubs stieg laut Degtjarew in drei Jahren von 17 auf 26 Prozent, vor allem durch Sponsoring und Ticketverkauf. Ziel der neuen Strategie ist es, die Zuschauerzahl auf 13,5 Millionen zu steigern, den Einnahmenanteil auf 30 Prozent zu erhöhen und die kommerzielle Verwertung der Arenen bei mindestens 80 Prozent zu halten. 2026 feiert Russland zudem 80 Jahre russisches Eishockey; Präsident Wladimir Putin hat den 22. Dezember als Tag des Eishockeys eingeführt.
Erst Anfang September hatte sich Degtjarew bereits mit der KHL befasst, damals ging es um den Streit um verweigerte Akkreditierungen für mehrere Journalisten. Die neue Strategie zeigt, dass sich der Minister nun auch in wirtschaftliche und Fragen der Zuschauerpolitik der Liga einbringt.
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