Fifa wirft Uefa Desinformationskampagne vor
Im Streit um Infantinos möglichen Interessenkonflikt beantragte die Fifa vor einem US-Gericht, die Beweisanträge der Uefa im Fall Fifa Forward Enterprise zurückzuweisen.
Die Fifa hat der Uefa vorgeworfen, mit einer „Desinformationskampagne“ Einfluss auf den Wettstreit um das Präsidentenamt des Weltverbands nehmen zu wollen. In einem Schriftsatz vor dem US-Bezirksgericht für den Southern District of Florida forderte die Fifa die Richter auf, einen Antrag der Uefa auf Beweiserhebung zurückzuweisen.
Der Antrag hängt mit einer geplanten Strafanzeige der Uefa in der Schweiz gegen Fifa-Präsident Gianni Infantino zusammen. Die Uefa hatte im vergangenen Monat bei dem Gericht die Erlaubnis beantragt, Zeugenaussagen und Dokumente zu erhalten. Gegenstand ist ein inzwischen fallengelassener Plan, die kommerziellen Rechte an der Weltmeisterschaft in eine Tochtergesellschaft namens Fifa Forward Enterprise (FFE) zu überführen.
Die Uefa wirft Infantino vor, den Vorschlag heimlich mit einem kleinen Kreis von Beratern und Investoren entwickelt und dabei die üblichen Entscheidungswege der Fifa umgangen zu haben. Weder der Fifa-Rat noch die Kontinentalverbände oder die Mitgliedsverbände seien konsultiert worden. Der Antrag richtet sich auf die Herausgabe von Unterlagen durch zwei in Florida ansässige Fifa-Gesellschaften, Fifa (Americas), Inc. und FWC2026 US, Inc.
Die Fifa erklärte, der Schriftsatz der Uefa enthalte „zahlreiche falsche oder irreführende Behauptungen über die Fifa und Infantino“.
„Ohne jede Grundlage behauptet die Uefa, Herr Infantino habe versucht, persönlich von dem FFE-Vorschlag zu profitieren“, erklärte die Fifa in der Eingabe an das Gericht in Florida, mit der sie sich gegen den Antrag der Uefa auf Beweiserhebung wandte. „Wie dargelegt, unterlag der FFE-Plan der Genehmigung sowohl durch die Fifa-Mitgliedsverbände als auch durch den Fifa-Rat, und die FFE wäre der Aufsicht beider Gremien innerhalb der Fifa unterstellt gewesen. Die Behauptungen der Uefa, Herr Infantino habe gegen Recht oder ethische Grundsätze verstoßen, sind gänzlich unbegründet.“
Die Uefa reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme.
Zu den Zahlen: Laut der Eingabe der Uefa hätten Investoren 4,2 Milliarden Dollar für einen Anteil an der FFE gezahlt, was das Unternehmen mit rund 20 Milliarden Dollar bewertet hätte. Nach Darstellung der Uefa lag diese Bewertung deutlich unter dem tatsächlichen Wert der kommerziellen Rechte der Fifa.
Der Rechtsstreit läuft, während die Fifa auf die Präsidentschaftswahl zusteuert. Bestätigt sich, dass ein Schweizer Strafverfahren tatsächlich eröffnet wird, dürfte der Fall die Wahlkampagne Infantinos über Monate begleiten.
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