Karandin nennt Morosows Penalty-Idee einen Zirkus
Der KHL-Präsident will Penaltyschiessen vor das Spiel legen, doch der frühere Schiedsrichter Karandin hält die Reform für widersprüchlich und schädlich für den Hockeysport.
Der Präsident der KHL, Alexej Morosow, will Penaltyschiessen künftig nicht mehr an das Ende eines Spiels stellen, sondern an den Anfang. Steht es nach 60 Minuten unentschieden, soll eine Serie vor dem ersten Bully den Sieger bestimmen. Das Team, das die Serie gewinnt, erhält zusätzlich einen Punkt. Morosow begründete den Vorschlag laut Sports.ru so.
Der frühere Schiedsrichter Juri Karandin reagierte mit scharfer Kritik. Er nannte die Idee einen Zirkus und erinnerte daran, dass die KHL die Penaltyserien nach dem Spiel erst vor wenigen Jahren von fünf auf drei Versuche gekürzt habe – aus seiner Sicht ein Widerspruch, wenn dieselbe Liga nun behaupte, Penaltys seien beim Publikum besonders beliebt.
„Morosows Aussage schockierte alle bis heute. Ein Trainer der KHL hat es richtig gesagt: Zuerst dachten alle, das sei ein Scherz. Ja, wir sind in letzter Zeit auf jede Lächerlichkeit in den Regeln gefasst, denn sie werden von Leuten ohne Sportverstand erfunden. Aber dieser ‚Zirkus‘ vom KHL-Präsidenten, der selbst ein Eishockeyspieler auf hohem Niveau war, ist etwas Schockierendes. Diese Reform hat keinen einzigen Vorteil, nur Nachteile. Und vor allem widerspricht sich die KHL damit selbst. Schiesst man die Penaltys vor dem Spiel, arbeitet die Liga gegen den Hockeysport und seine Attraktivität: Der Sieger der Serie hat von vornherein einen Vorteil und wird defensiv spielen, um das Ergebnis zu halten. Das fördert genau jenen defensiven Hockey, den die ganze Welt eigentlich bekämpft. Ich denke, im Mutterland des Eishockeys, in Kanada, wäre man über eine solche Innovation schockiert, und NHL-Chef Gary Bettman wäre am Tag danach entlassen worden. Für mich ist es ein Rätsel, wie Alexej Morosow diese Geschichte ernsthaft vorgetragen hat. Er hat sein ganzes Leben im Eishockey verbracht und kennt unser Spiel bis ins Detail. Ich habe nur eine Erklärung: Der KHL-Präsident wurde von einem seiner Stellvertreter hereingelegt, der dem Hockey fernsteht“, sagte Karandin.
Er äusserte sich am Rand der „Expo Basket“ zur Idee seines Präsidenten.
„Man muss nach verschiedenen Wegen suchen, um unser Publikum zu erweitern. Das ist wirtschaftlich und medial wichtig. Man kann Penaltys vor dem Spiel schiessen, und auch danach (lacht). Auch in der Pause können wir schiessen, das stört den Spielverlauf nicht. Wenn es das Publikum erweitert, warum nicht?“, sagte Rotenberg.
Spartak-Stürmer Alexander Beljajew nahm die Sache gelassener. Auf die Frage, was er von der Reform halte, antwortete er ausweichend.
„Ich weiss nicht. Unsere Aufgabe ist es, Hockey zu spielen. Was man sich ausdenkt, das setzen wir um. Penaltys, Saltos, Zirkusnummern – keine Fragen, wir machen es, wenn man es sagt“, sagte Beljajew.
Zwischen Karandins Alarm und Beljajews Achselzucken liegt die eigentliche Frage: ob die KHL mit der Reform tatsächlich mehr Publikum gewinnt oder nur ihre eigene Entscheidung von vor wenigen Jahren, die Penaltyserien zu verkürzen, ein weiteres Mal kassiert. Eine endgültige Regelentscheidung ist bisher nicht gefallen.
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